Religiöses Leben vor Gericht in Frankreich als "psychologisches Verbrechen"
Ihr Gründer und Oberer, Pater Bernard Pinède, und die Gemeinschaft selbst sind wegen "Missbrauchs der Schwäche"(abus de faiblesse) angeklagt. Dieser französische Straftatbestand beinhaltet die Ausnutzung der psychischen Schwäche einer Person.
Die Anhörungen fanden vom 19. bis 22. Januar 2026 statt.
Die Staatsanwaltschaft hat beantragt:
- Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung für Pater Bernard,
- Schließung des Haupthauses der Gemeinschaft für ein Jahr,
- Eine Geldstrafe von 100.000 €.
Die Urteilsverkündung ist für den 24. März 2026 vorgesehen.
Worauf sich die Anschuldigungen stützen
Der Fall geht auf eine Voruntersuchung aus dem Jahr 2021 zurück, die durch Beschwerden von fünf ehemaligen Mitgliedern und einen Bericht der staatlichen Anti-Sekten-Behörde MIVILUDES ausgelöst wurde.
Die Anklage bezieht sich nicht auf körperliche Gewalt, sexuellen Missbrauch oder finanzielle Veruntreuung.
Stattdessen konzentriert sie sich auf angebliche psychologische Kontrolle.
Konkrete Vorwürfe
1. Einschränkung und Kontrolle von Außenkontakten
Ehemalige Mitglieder und der Bericht des MIVILUDES behaupten, dass Briefe und die Kommunikation mit den Familien überwacht oder gelesen wurden, der telefonische Kontakt eingeschränkt war und die Mitglieder nur begrenzte Möglichkeiten hatten, Verwandte zu besuchen oder die Gemeinschaft frei zu verlassen.
Die Staatsanwaltschaft stellt dies als absichtliche Isolation dar, die den Einfluss von außen verringern und die Abhängigkeit von der Gemeinschaft erhöhen sollte.
2. Druck durch Beichte und religiöse Unterweisung
Mehrere ehemalige Mitglieder beschrieben sehr häufige Beichten, wiederholte moralische Zurechtweisungen und die Betonung von Sünde, Hölle und Teufel sowie Lehren, die sie als schuldig, furchteinflößend oder beängstigend empfanden.
Die Ankläger argumentieren, dass diese Praktiken nicht nur der geistlichen Führung dienten, sondern auch den Gehorsam verstärken und die persönliche Autonomie schwächen sollten.
3. Junge oder psychisch labile Rekruten ins Visier nehmen
Die Untersuchung zeigt, dass viele Rekruten sehr junge Erwachsene waren (oft unter 20), denen es an Reife und kritischer Distanz fehlte.
Die Position der Verteidigung und der Unterstützer
Der FMND und Pater Bernard streiten jegliches Fehlverhalten ab. Sie argumentieren, dass die Mitgliedschaft freiwillig war und es den Menschen jederzeit freistand, auszutreten.
Die zitierten Praktiken (Gehorsam, Beichte, Disziplin, Trennung von der Welt) seien normale Elemente des katholischen Ordenslebens und keine kriminellen Handlungen.
Die Konstitutionen und die Lebensweise der Gemeinschaft wurden von den kirchlichen Behörden, einschließlich des Vatikans, genehmigt.
Mehrere derzeitige Mitglieder und Eltern sagten aus, dass ihre Erfahrungen frei und spirituell positiv waren.
Die Verteidigung argumentiert, dass das Gesetz über den "Missbrauch von Schwäche" zu weit gefasst wird, ohne klare Kriterien zur Unterscheidung zwischen religiöser Autorität und ungesetzlichem Zwang.
AI-Übersetzung