Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zum heutigen Sonntag 18.1.2026
Predigt 2. Sonntag im Jahreskreis, 18.1.2026Perikopen: Jes 49,3.5-6 Joh 1,29-34
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Beim Propheten Jesaja haben wir heute in der Lesung von einem „Gottesknecht“ gehört. Was hat es mit dieser Gestalt auf sich? Für was steht dieser Gottesknecht? Um wen handelt es sich hier. Wir dürfen heute versuchen dem Ganzen nachzuspüren. Erstens: Gottesknecht bedeutet Gottesbeziehung. Das Wort Knecht ist bei uns ja eher negativ besetzt. Wir denken da vielleicht an die Dienstboten auf den Bauernhäusern, die lediglich um Kost und Logie gearbeitet haben und wenig zu lachen hatten. Ein Knecht arbeitete nicht selbstbestimmt. Er war abhängig von seinem Herrn. In der Antike war das anders. Da war Knecht mittunter ein Ehrentitel. Mit dem Knecht des Königs konnte der engste Mitarbeiter gemeint sein. Er war dann nicht bloß ein Dienstbote, sondern ein enger Vertrauter des Königs. Und in diese Richtung geht auch der Gottesknecht im Alten Testament. Der Gottesknecht ist jemand der ganz eng vertraut ist mit Gott. Es gibt im Buch Jesaja vier Lieder, vier Beschreibungen dieses Gottesknechtes. Sie stellen heraus, dass dieser Gottesknecht offenbar nichts Besonderes vorzuweisen hat. Er besitzt keine besonderen Fähigkeiten, Kräfte und keine besondere Schönheit. Der heutige Abschnitt betont nur die besondere Nähe zu Gott „vom Mutterleib an“ sogar. Der Gottesknecht ist eher ein Antiheld als ein Held. Aber etwas wiegt, seine enge Beziehung zu Gott. Die kann ein Vorbild sein und die Frage, wie eng meine Gottverbundenheit ist. Zweitens. Der Gottesknecht hat eine Aufgabe. Er erinnert an Gott. Als Jesaja auftrat litt das Volk unter Heimatlosigkeit im babylonischen Konzil. Hier erinnert der Gottesknecht an die Treue Gottes. Gott sammelt, Gott führt heim, Gott möchte bei den Menschen sein und sie neu versammeln. Versammeln, zusammenführen, daran erinnert uns der Gottesknecht. Und vielleicht brauchen wir in einer Zeit, in der die auseinanderstrebenden Kräfte in Welt, Kirche und Gesellschaft immer größer werden, diese Botschaft ganz dringend. Das ist die Aufgabe des Gottesknechtes, die Kraft der Sammlung. Und da braucht es gar nicht mehr viel dazu zu sagen. Drittens: Jesus der Gottesknecht. Schon früh haben die Christen im Gottesknecht Schicksal und Auftrag Jesu gesehen. Jesus ist der endgültige Gottesknecht, ganz verbunden mit dem Vater. Er ist das Licht der Nationen, damit das Heil bis an das Ende der Erde reichen kann. Auf ihm ruht der Geist Gottes. Johannes nennt ihn heute sogar Lamm Gottes. Mir gefällt es, dass die Evangelisten immer wieder auf das Alte Testament zurückgreifen, es sogar in Jesus immer wieder erfüllt sehen. Mir zeigt es, dass sie die Frage „wer ist dieser Jesus,“ immer wieder beschäftigt, ja sogar sehr intensiv beschäftigt hat. Ganz egal, wie wir sagen, ob Gottesknecht, Lamm Gottes, oder welche Titel wir für Jesus haben, wenn uns ganz persönlich die Frage beschäftigt, wer dieser Jesus für mich ist, dann ist das auch schon genug. Und dann kann ich heute auch schon zum Amen kommen. Amen.