Maria durch ein Dornwald ging
Heute am 1. Adventsonntag wurde zum Schluss der Hl. Messe als Marienlied das im Advent beliebte 'Maria durch ein Dornwald ging' gesungen. Dieses Lied ist irgendwie einzigartig, sowohl was den Text als auch die Melodie anbelangt. Um endlich mal wirklich voll und ganz zu verstehen, was wir da singen, bin ich heute der Sache genauer auf den Grund gegangen.
Das beliebte Lied stammt aus dem Eichsfeld, dem katholischen Teil Thüringens, wo es ursprünglich als Wallfahrtslied entstanden ist.
Zum Hintergrund dieses Liedes: Kurz nach der Verkündigung geht Maria übers Gebirge zu ihrer Base Elisabeth. Sie hat sich eilends auf den Weg gemacht, um Elisabeth, ihre Verwandte, zu besuchen, die im sechsten Monat schwanger ist, sie, die als unfruchtbar galt. Das Lied spricht aber nicht von Elisabeth, nicht von der Begegnung der beiden schwangeren Frauen. Es geht nur um Marias weiten Weg von Nazareth bis "in eine Stadt im Bergland von Judäa". Von Nazareth nach Ain Karim, dem heutigen En Kerem, 6 km von …Mehr
Gott, darauf vertraue ich, dass Du da bist, wenn wir allein nicht schaffen, was uns das Leben zu tragen gibt. Gott, darum bitte ich Dich: Lass die Dornen Rosen tragen! Und lass unserem Glauben die Hoffnung nicht ausgehen!
Herr, unser Gott, du hast die Dornen erschaffen und die Rosen.
Du kennst das Leid und den Schmerz, die Freude und die Schönheit.
Du begleitest uns durch die dunklen Nächte unserer Not
und schenkst uns Zeichen der Hoffnung und Erfüllung.
In Christus bist du Mensch geworden und erträgst, was Menschen ertragen müssen.
In schweren und dornenreichen Zeiten blüht deine Liebe auf zu einem neuen Leben.
Deshalb vertrauen wir uns dir an mit unseren Hoffnungen und Ängsten, in Traurigkeit und Freude.
Amen.
2 weitere Kommentare von Josef O.
Die Ankunft des Jesuskindes hat den "Dornwald" unserer Welt ein für allemal verwandelt. Die Welt ist nicht verloren. Sie ist gerettet. Wir haben Grund zur Freude!
In einer anderen Textquelle wird dies sehr schön, sehr poetisch zum Ausdruck gebracht:
Eine Schwangere geht durch einen Dornenwald. Sie geht mit Gott schwanger. Und die Welt treibt prächtig Blüten. Es duftet nicht mehr nach Blut, sondern nach Rosen. Man sieht nicht mehr nur Wunden, sondern auch Wunder. In Weihnachten liegt eine alte Hoffnung. Die Hoffnung auf wirklich rosigere Zeiten. Gott wird ausgetragen. Und die Welt wird erträglicher. Fürchte Dich nicht, sondern jubele: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!
Und wieder woanders heißt es: Gott lässt mitten im abgestorbenen Wald neues Leben wachsen. Noch sieht man es nicht. Doch es ist schon da. Jesus ist noch nicht geboren. Doch die Rosen, die blühen schon, in froher Erwartung. Der tote, harte Dornwald wird zum Ort für neues Leben. Das ist die Verheißung, von der dieses alte Lied erzählt.
Kurz zusammengefasst: Das Dornwald-Lied beschreibt die Wanderung Marias durch einen Dornwald, der durch die bloße Anwesenheit des noch ungeborenen "göttlichen" Kindes wieder anfängt zu blühen. Was uns blüht, ist also nicht der Tod. Was uns blüht, auch auf den Wegen durch den Dornwald, ist das Leben. Das ist die Weihnachtshoffnung! Das Dornwald-Lied bringt diese wundersame Verwandlung - Erlösung aus dem Dornwald unseres Lebens, Auferstehung, neues, ewiges Leben - sehr schön zum Ausdruck.
Ich könnte da noch viele andere interessante Textstellen anführen, die ich sehr inspirierend fand. So vertreibt z.B. die Verlagsgruppe Patmos ein Andachtsbild mit einem Text von Theo Schmidkonz SJ - dort heißt es:
Der Wald voller Dornen ist ein Symbol. Einmal für den schwierigen Weg Marias zu Elisabeth über ein weites Bergland. Dann auch ein Bild für ihre Situation: Ein Kind – empfangen vom Heiligen Geist – wer glaubt dies? Auch Josef zweifelt. Der Dornwald weist auch auf ihre Zukunft, die ebenfalls voller Probleme sein wird:
Maria versucht mit der ganzen Verwandtschaft, Jesus mit Gewalt heimzuholen, um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren. Sie hört von ihrem Sohn die herben Worte: "Wer ist meine Mutter?" Ihr Weg ist ein Weg durch die Wüste. Aber – so heißt es in diesem Lied weiter: »Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen." Weil Maria mit Jesus verbunden lebt, weil sie seinen Weg bejaht und erträgt, weil sie Jesus "in ihrem Herzen bewahrt", in ihrem Innersten eins ist mit ihm – darum fangen die Dornen zu blühen an, werden Dornen zu Rosen, zu Liebeszeichen. Und diese "Liebe hört niemals auf". "Als das Kindlein durch den Wald getragen", durch einen dichten, tödlichen Dornwald, "da haben die Dornen Rosen getragen". Ein Bild der Verheißung und Zuversicht: Die ewige Liebe ist Mensch geworden. Die Rose verwandelt jetzt jeden Dornwald. Und der Morgenstern in der Nacht verspricht Licht und ewiges Leben über unseren sicheren Tod hinaus.
Jesus, der Weg deiner Mutter war dornenreich. Kein Platz für sie in Betlehem. Gebären muss sie in einem Stall. Nur durch Flucht kann sie dich retten. Später kann sie das nicht mehr. Hilflos steht sie unter deinem Kreuz. Aber durch den dichten Dornwald hindurch trägt sie dich, Jesus – treu. Und du trägst verborgen auch sie.
Du liebst Maria, du liebst auch uns. Du bringst unsere Dornen zum Blühen, du verwandelst unsere Tränen in Rosen. Darum werden wir leben, über-leben. Denn deine Liebe ist stärker als der Tod.
Sehr interessante Deutung des bekannten Advetliedes
@Elista Ja, das fand ich auch alles sehr interessant, allein schon deshalb, weil ich diese Deutung so bisher auch noch nicht kannte. Wie ich schon geschrieben habe: das Lied hat mit seiner eher melancholischen Melodie in Moll und dem recht schlichten Text, hinter dem sich aber eine tiefe Symbolik verbirgt, einen ganz speziellen Zauber... und deshalb sagen Viele, dass das eines ihrer liebsten Adventslieder sei, ähnlich bedeutsam wie 'Stille Nacht' dann zur Weihnachtszeit. Um diesen Zauber endlich in seiner ganzen Tiefe zu verstehen habe ich mir gestern ein Vielzahl von Texten dazu angeschaut, die ich dann auszugsweise für meinen Beitrag genutzt habe, u.a. einen Vortrag und eine Bildmeditation von P. Pius Kirchgessner OFMCap
Maria durch ein Dornwald ging
Maria durch ein Dornwald ging
... plus diese Forschungsstelle für Volksmusik:
Maria durch ein Dornwald ging • Forschungsstelle für fränkische Volksmusik
Als Kind mochte ich dieses Lied nie, es war mir zu gruselig und tat in den Kinderohren weh; erst der Musiklehrerin in der HWS gelang es, mir Text & Melodie zugänglich zu machen und es wurde zum Standardlied jeden Advents. Ich sang das dann gerne, allerdings nur im Chor, als Volksgesang scheiterte jeder Vortrag, Gott sei Dank erkannten das die damaligen Pfarrer und stimmten lieber "Tauet Himmel" oder "Ave Maria zart" an...